Einem Bericht vom 9. Oktober 2026 zufolge verhandelt OpenAI über eine neue Finanzierungsrunde von mindestens 30 Milliarden Dollar. Der auf Jahresbasis hochgerechnete Umsatz lag Ende September bei rund 50 Milliarden Dollar. Vor dem Hintergrund des Ausbaus des Unternehmenskundengeschäfts strebt das Unternehmen bis Jahresende mindestens 70 Milliarden Dollar an.
Der Unterschied zwischen 50 und 70 Milliarden Dollar
Bei den aktuellen Zahlen ist zunächst wichtig: Ein annualisierter Umsatz ist nicht dasselbe wie der Umsatz, der tatsächlich innerhalb eines Jahres erzielt wurde. Die Annualisierung zeigt die Größenordnung des Geschäfts, indem sie annimmt, dass der aktuelle Monatsumsatz zwölf Monate lang anhält. Die rund 50 Milliarden Dollar sind kein durch einen Jahresabschluss bestätigter Umsatz.
Bei der ursprünglich genannten Zahl von rund 70 Milliarden Dollar ist noch ein weiterer Punkt zu beachten. Sie soll angepasst worden sein, um einen leichteren Vergleich mit dem Wettbewerber Anthropic zu ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass der tatsächliche annualisierte Umsatz Ende September rund 70 Milliarden Dollar betrug.
Der Unterschied entsteht bei Verkäufen über Cloud-Anbieter. Anthropic verbucht den gesamten Betrag, den Kunden zahlen, als Umsatz und behandelt den Anteil des Cloud-Anbieters als Kosten. OpenAI verbucht bei einigen Partnerschaftsgeschäften dagegen nur den eigenen Anteil als Umsatz. Beide Vorgehensweisen sollen den US-Rechnungslegungsstandards entsprechen. Welche Behandlung gilt, hängt davon ab, welche Seite im jeweiligen Geschäft für den Kundenkontakt und die Bereitstellung des Dienstes verantwortlich ist.
Die Umsatzzahlen lassen sich also nicht einfach nebeneinanderstellen, um die Geschäftsgröße unter gleichen Bedingungen zu vergleichen. Auch das Ziel, bis Jahresende mindestens 70 Milliarden Dollar zu erreichen, muss getrennt von den früheren, für Vergleichszwecke angepassten Zahlen betrachtet werden.
Das Unternehmenskundengeschäft treibt das Wachstum
Dem Bericht zufolge stieg der annualisierte Gesamtumsatz im dritten Quartal um 77 Prozent, der Umsatz im Unternehmenskundengeschäft um 107 Prozent. Da die bereitgestellten Informationen den Vergleichszeitraum nicht nennen, lässt sich nicht sicher sagen, ob es sich um einen Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum handelt. Der Zuwachs im Unternehmenskundengeschäft übertraf demnach jedoch den Gesamtanstieg.
Auch die Nutzungszahlen, die OpenAI Berichten zufolge bei einer Entwicklerveranstaltung präsentierte, sind hoch: ChatGPT hat demnach mehr als 1,2 Milliarden wöchentliche Nutzer. ChatGPT Work und der Programmierassistent Codex kommen zusammen auf mehr als 35 Millionen wöchentliche Nutzer. Zudem nutzen 2,5 Millionen Unternehmen Produkte des Konzerns.
Nutzerzahlen und Umsatz sind jedoch nicht dasselbe. Trennt man die breite Nutzung, zu der auch die kostenlose Nutzung zählt, von den Zahlungen, die Unternehmen für den Einsatz im Arbeitsalltag leisten, wird der Schwerpunkt des aktuellen Wachstums deutlich. Berichten zufolge treibt vor allem die Ausweitung der Geschäfte mit Unternehmen, die KI in ihre Arbeitsabläufe integrieren und dauerhaft dafür bezahlen, den Umsatz an.
30 Milliarden Dollar Finanzierung und Zurückhaltung beim Börsengang
Bei den neuen Finanzierungsverhandlungen soll eine Unternehmensbewertung von 1,4 Billionen Dollar vor der Finanzierung angestrebt werden. Die angestrebte Finanzierung von mindestens 30 Milliarden Dollar und die Bewertung des gesamten Unternehmens sind zwei verschiedene Zahlen.
Im März 2026 wurde berichtet, OpenAI habe bis zu 122 Milliarden Dollar aufgenommen und sei danach mit 852 Milliarden Dollar bewertet worden. Das aktuelle Ziel liegt darüber. Da sich die Bewertungsgrundlage vor und nach einer Finanzierung unterscheidet, lassen sich die Zahlen jedoch nicht einfach nach demselben Maßstab vergleichen. Wer sich an den neuen Verhandlungen beteiligt und welche endgültigen Bedingungen gelten, geht aus den bereitgestellten Informationen ebenfalls nicht hervor.
Der Börsengang wurde Berichten zufolge auf das Folgejahr verschoben. CEO Sam Altman soll Sicherheitsrisiken als Grund genannt haben. Zugleich heißt es, die Überlegungen zu einer Verschiebung hätten bereits vor den jüngsten Cybersicherheitsproblemen begonnen. Es lässt sich daher nicht feststellen, dass allein Sicherheitsbedenken für die Verschiebung ausschlaggebend waren.
Die Rentabilität von Investitionen lässt sich nicht allein am Umsatzwachstum messen
Nachdem der annualisierte Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar bekannt geworden war, gerieten Technologiewerte unter Verkaufsdruck. Halbleiteraktien gaben Berichten zufolge um einige Prozent nach. Da Aktienkurse von mehreren Faktoren beeinflusst werden, lässt sich jedoch nicht sagen, dass allein dieser Bericht den Rückgang ausgelöst hat.
Wer das Wachstum von KI-Unternehmen beurteilen will, muss sowohl den Umsatzanstieg als auch die Ausgaben betrachten, die nötig sind, um diesen Umsatz zu erzielen. Mit steigender Nutzung wachsen zwar die Umsatzmöglichkeiten, doch für das Training von KI und die Erstellung von Antworten sind Rechenkapazitäten erforderlich. Für Unternehmen mit enormen Ausgaben rund um Rechenzentren bedeutet ein Umsatzanstieg nicht automatisch auch einen Gewinnanstieg.
Für Unternehmen hängt die Bereitschaft, dauerhaft zu zahlen, davon ab, ob sich kürzere Arbeitszeiten oder bessere Ergebnisse nachweisen lassen. Die vorliegenden Informationen zeigen zwar ein Wachstum des Unternehmenskundengeschäfts, enthalten aber weder konkrete Zahlen zu Produktivitätssteigerungen bei Kunden noch Angaben dazu, ob sich das Geschäft nach Abzug der Ausgaben von OpenAI für die Recheninfrastruktur rechnet.


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